Reden und Interviews

„Klax bewegt sich“ ist das Motto des Bildungswettbewerbs und auch das Motto der Fachtagung. Meine Worte sollen Sie auf zwei interessante Tage einstimmen. Zwei Tage gefüllt mit Workshops und Diskussionen, voller Ideen und Anregungen, die von guten Gesprächen über Arbeitsergebnisse und Arbeitserlebnisse geprägt sein werden.

„Achtung spielende Kinder, lernende Kinder“ warnt uns der Titel auf dem Flyer. Ist es wirklich so klar, dass spielende Kinder lernen? Oder stehen nicht viele Erwachsene dem Spielen der Kinder eher skeptisch gegenüber? „Macht keinen Unsinn, seid nicht so laut, lasst die Büsche ganz, tönt es über manch einen Hof in Berlin. Klettert nicht auf die Mauer, räumt ja wieder auf…“ Dies und noch vieles mehr müssen sich auch heute noch Kinder anhören, die Drinnen wie Draußen ins Spiel vertieft sind.

Vor einigen Jahren haben wir noch dafür gekämpft, dass Kinderbetreuungseinrichtungen als Stätten des Lernens, quasi als Bildungsorte anerkannt werden. Wir Erzieherinnen haben diese Debatte geführt, da wir endlich eine angemessene gesellschaftliche Anerkennung bekommen wollten um nicht mehr die doofen Spieltanten zu sein. Heute glaube ich, dass es damals ein Fehler war in den Diskussionen Spielen gegen Lernen zu setzen.

Die Zukunft, das ist ein tolles Wort. Es klingt so optimistisch, so nach vorn gewandt und so erwartungsfroh. Doch die Zukunft bringt meistens etwas Neues mit sich. Mit dem Hereinbrechen der Zukunft verändern sich die Dinge. Je nach dem, wie der Mensch veranlagt ist, bewertet er diese Veränderung positiv oder negativ.

Vor 20 Jahren hatte ich einen Traum. Gar nichts Spektakuläres. Angesichts meiner Kinder und unserer Erlebnisse mit den Institutionen, Kindergarten und Schule, habe ich mich darüber gewundert, dass Bildung und Betreuung nicht für jedes Kind gut hinzukriegen ist. Als ehemalige Erzieherin und nun auch Mitarbeiterin einer Schule – ich gab Kunstkurse in einigen Schulen - war ich selbst Mitglied in diesem versagenden System. Damals dachte ich, es lag an der DDR. Nur wenige Monate später fiel die Mauer und ich hospitierte in Kindergärten und Schulen der BRD. Die Diagnose war die gleiche - sie kriegen es nicht hin! Jedenfalls nicht das, was ich mir als Mutter und Pädagogin von den Institutionen, Kindergarten und Schule, wünschte

Lieber Thomas,

wir kennen uns seit mehr als 30 Jahren. Das klingt nach einer ganzen Ewigkeit. 20 Jahre davon haben wir gemeinsam gearbeitet, an unserem Baby, unserem Lebenswerk: Wir nannten es Klax.

Ich kenne Theo van der Hoeven seit 1992. Kurz nach dem Fall der Mauer habe ich ihn in Amersfoort besucht. Er war zu diesem Zeitpunkt eine wichtige Person in der deutschen Jugendkunstschullandschaft. Von dort hatte ich auch die Empfehlung, ihn zu kontaktieren. Klax war zu diesem Zeitpunkt ein unscheinbares Kinderkunstprojekt, ohne finanzielle Mittel und Verbreitung über Berlin-Pankow hinaus.

Um Kindern ein guter Partner zu sein, braucht es tiefes Nachdenken über die Welt, in der wir mit Kindern zusammen leben. Das ist nicht so einfach, denn eine pädagogische Einrichtung ist eine sehr komplexe Angelegenheit mit vielen verschiedenen Facetten. Kinder, Eltern, Mitarbeiter – alles muss unter einen Hut. Wenn man dann glaubt, das der Hut richtig sitzt, man also alles im Griff hat, kommt ein Rohrbruch, ein Mitarbeiter fällt aus oder irgendwas ganz Verrücktes passiert. Das alles kennen wir aus unserem Alltag. Gute Pädagogik zeichnet sich aber gerade dadurch aus, eine Balance zwischen Alltag und Anspruch zu finden.